Die Schillerschule im Wandel der Zeit
Ein
geschichtlicher Abriss von Leo Jaeger, Rektor †
Wer
über die Schillerschule berichten will, muss diesen geschichtlichen Abriss
einbetten in die Geschichte der Schulen der Stadt Walldorf. Die Schillerschule
will ich einmal als Enkelin der „Volksschule Walldorf“ bezeichnen, als
jüngstes Mitglied der heutigen schulischen Einrichtungen: Waldschule,
Schulzentrum, Schillerschule.
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zu den Anfängen:
Im
alten Schulhaus in der Bahnhofstraße befindet sich die Gedenktafel: Volksschule
Walldorf, errichtet 1891 zur Regierungszeit des Großherzogs Friedrich
v. Baden, unter Bürgermeister Stefan Abel; auch die damaligen Gemeinderäte
sind aufgeführt. Natürlich gab es auch vorher schon Schulhäuser, sie aufzuzählen
würde den Rahmen dieses Berichts sprengen. Dieses Schulhaus also
beherbergte die „Volksschule“ Walldorfs allein bis in die Jahre nach dem
2. Weltkrieg. Als der Verfasser dieses Berichts 1952 nach Walldorf kam,
als Lehrer auf seine 1. Planstelle, musste er zunächst im Nebenzimmer
im „Gasthaus zur Linde“ Unterricht halten (Es stand dort, wo sich heute
der Parkplatz an der Abzweigung Johann-Jakob-Astor-Straße aus der Nusslocher
Straße befindet.) Die Schulraumnot war groß. Nicht nur „die Linde“ diente
als Ausweichquartier, andere Klassen wurden im Anbau des „Hotel Astoria“
– Fuchsbau genannt – unterrichtet (heute ist dort der Parkplatz an der
Drehscheibe); auch im Nebenzimmer des Gasthauses „Perkeo“ (heute Penny-Markt)
und der Bürgersaal des alten Rathauses dienten als Schulraum. Die Stadt
war gefordert und handelte, man baute ein neues Schulhaus, besser gesagt
den ersten Erweiterungsbau.
Das Kollegium der Volksschule Walldorf in den 50-er Jahren
Am
5.9.1955 wurde im „langen Bau“ an der heutigen Umgehungsstraße der Schulbetrieb
aufgenommen. Aber auch dies bedeutete nur Provisorium, Übergang. Durch
die sprunghafte Bevölkerungsentwicklung Walldorfs war bei der Aufgeschlossenheit
der Stadt gegenüber schulischen Bedürfnissen und der bildungspolitischen
Entwicklung im „Ländle“ Baden-Württemberg ein weiterer Neubau notwendig:
Einweihung der neuen Volkschule im Jahr 1955
Im
Dezember 1966 wurde die „Waldschule“ eingeweiht. Neben dem alten Schulhaus
beherbergte sie nun die „Volksschule Walldorf“ und noch dazu die ersten
Klassen der neuen Realschule.
Im
Jahr darauf – 1967 – erfolgte durch Erlass des Oberschulamtes Karlsruhe
die Teilung der bisherigen „Volksschule“ in eine Grund- und Hauptschule
und eine Grundschule. Der Gemeinderat beschloss am 19. Mai 1967 folgende
Namensgebung: „Waldschule“-GHS, „Schillerschule“-GS, und er legte Schulbezirke
und Einzugsgebiete fest. So, nun war die Schillerschule geboren! Ihr Einzugsgebiet
ist das Wohngebiet westlich der Schwetzinger Straße und nördlich der Johann-Jakob-Astor-Straße.
Sie erhielt mit Leo Jaeger am 26.2.1968 den ersten Rektor.
Aber
schon wieder gab es Engpässe im Schulraum. Das Astorhaus musste herhalten
mit 3 zusätzlichen Räumen, das Feuerwehrhaus mit 2 (in dem die eine Klasse
die benachbarte wegen mangelnder Schalldichte störte).
Also
schwerer, dreigeteilter Anfang der Schillerschule. Und an der Umgehungsstraße?
Stand
der dortige 1955-er Erweiterungsbau leer? Keineswegs, hier „residierte“
inzwischen die Realschule (1967) und das Gymnasium (1968), also kein Platz
für die Schillerschule!
Die
Stadt baute weiter. Für das Gymnasium (1972) und die Realschule (1974)
wurde das „Schulzentrum“ gebaut.
Jetzt,
1974, schlägt die Stunde der Schillerschule, sie zieht um an die Umgehungsstraße!
Endlich allein, endlich an einem Platz, architektonisch
zwar bunt zusammengewürfelt, aber organisatorisch alles „unter einem Dach“.
Die kleine Turnhalle hat ihre eigene Geschichte: Erste echte Turnhalle
der anfangs erwähnten „Volksschule“, dann Turnhalle für Realschule und
Gymnasium, dann erste Turnhalle der Schillerschule, heute Musiksaal, dann
1980 bekam auch die Schillerschule eine große Turnhalle, gleich nebenan,
nun war sie perfekt, alles war vorhanden: Turnhalle, genügend Klassenzimmer,
Lehrerzimmer, Lernmittelzimmer, Lehrer- und Schülerbücherei, Filmsaal
u.ä. B
ereits
1972 wurde ein kommunaler Schulkindergarten von der Stadt eingerichtet,
räumlich wurde er 1976/77 der Schillerschule angegliedert und ihrer Schulleitung
unterstellt. In ihm werden schulpflichtige, aber vom Schulbesuch zurückgestellte
Kinder zur Schulfähigkeit geführt. Heute spricht man amtlich von Grundschulförderklassen,
bei denen eine möglichst enge Anbindung an die Grundschule erfolgt.
1982 trat Rektor Jaeger in den Ruhestand, sein Nachfolger wurde der bisherigen
Konrektor Manfred Helm, zur Konrektorin wurde bald Frau Marie-Luise Schmohl
bestellt.
Am
17.2.1987 beschloss der Gemeinderat der Stadt, den einst für Realschule
und Gymnasium erbauten Pavillon wegen schlechter Bausubstanz und ungenügender
Isolierung und der daraus resultierenden Aussichtslosigkeit einer wirtschaftlich
sinnvollen Instandsetzung durch einen Neubau zu ersetzen. In diesem Neubau
wurde der Unterricht nach den Sommerferien 1991 aufgenommen, die feierliche
Einweihung ist im Rahmen der 25-Jahrfeier geplant. Mit diesem Neubau konnten
auch andere schulische Probleme aus der Sicht des Schulträgers gelöst
werden: Die Grundschulförderklasse, bisher im Untergeschoss des ehemaligen
„langen Baus“ kam „aus dem Untergrund“ heraus, die Sonderschule für Lernbehinderte,
bisher im Ostflügel des Astorhauses untergebracht, wurde räumlich der
Schillerschule angeschlossen und ist in ihr organisatorisch und pädagogisch
integriert.
So stellt sich heute die Schillerschule dar als ein wichtiger Teil
des Walldorfer Schulsystems. Man muss in diesem Zusammenhang dem Schulträger,
der Stadt Walldorf, die Anerkennung für die in diesem Bericht anklingenden
großen finanziellen und wirtschaftlichen Leistungen und für die Bewilligung
der jeweils den gegebenen schulischen Situationen angepassten baulichen
Leistungen in den Jahren 1946 – 1991 zum Ausdruck bringen. Um nochmals einen
Vergleich anführen zu können, wie zu Beginn des Berichts, kann man sagen,
dass die Schillerschule sich nie als „Stiefkind“ behandelt vorkam, sondern
für ihre Wünsche, Forderungen und Anträge, die sie zur Erfüllung ihrer pädagogischen
Aufgaben vorbrachte, offene Ohren und offene Hände fand.
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